Natürliche Klimaanlagen für Gebäude
Grüne Dächer sind mehr als nur ein optisches Highlight – sie bieten ökologische Vorteile wie Kühlung im Sommer, Feinstaubbindung und Lärmminderung. Doch nicht jedes Dach ist dafür geeignet.
Innsbruck – Grüne Dächer sehen nicht nur gut aus, sie sind auch natürliche Klimaanlagen. Denn sie binden Feuchtigkeit, die später langsam verdunstet und die Umgebung kühlt. Wer sich Grün aufs Dach holt, tut al so auch etwas fürs Klima in seiner Umgebung. „Dachbegrünung ist keine neue Erfindung. Es gibt über hundertjährige Häuser mit grünen Dächern und Wänden“, weiß Landschaftsarchitekt Michael Henze. Unter den heute veränderten Klimabedingungen können die bewachsenen Dächer ihre Vorteile so richtig ausspielen. Besonders der kühlende Effekt im Sommer ist ein echter ökologischer Vorteil.
Ist jedes Dach geeignet?
Wer ein Bestandsgebäude mit einem Gründach versehen möchte, sollte prüfen, ob durch die Dachbegrünung die Statik des Gebäudes beeinträchtigt wird. Ein wichtiges Entscheidungskriterium für oder gegen eine grüne Bepflanzung ist zudem die Neigung des Daches. Je steiler es ist, desto schwieriger wird es mit der Begrünung. Optimal sind fünf bis 15 Grad Neigung.
Die meisten Hausbesitzer entscheiden sich für die weniger aufwändige extensive Dachbegrünung. Dabei wird das Dach mit trockenheits- und hitzebeständigen sowie frostunempfindlichen Pflanzen ausgestattet, die nur gelegentlich Pflege brauchen. Geeignet für solche Dächer sind Pflanzen wie zum Bei spiel Moose, Gräser, Sedum, Mauerpfeffer und Kräuter. Auch seltene Arten, die auf der Roten Liste stehen und sehr attraktiv für Bienen und andere Insekten sind. Intensive Dachbegrünungen sind viel aufwändiger. Sie sind mit Gärten auf dem Boden vergleichbar, die benutzt und gepflegt werden. Auf diesen Dächern wachsen Blumen, Stauden, Sträucher und Bäume. „Sie müssen deshalbnatürlich viel dickschichtiger sein als extensive Gründächer“, so Henze. Entsprechend größer ist die Last, die auf dem Dach liegt.

Gründächer bieten viele Vorteile, wie Schutz vor Hitze, und sie verlängern die Lebensdauer des Daches.
Was ist bei der Planung zu beachten?
Boden und Bepflanzung wie gen bis zu 500 Kilogramm pro Quadratmeter. Extensive Gründächer bringen es da gegen nur auf 50 bis 100 Kilogramm pro Quadratmeter. Intensive Dachbegrünungen eignen sich in der Regel für Flachdächer, die dennoch eine geringe Neigung auf weisen müssen, damit das Wasser abfließen kann. Begehbare Dächer benötigen ein Mindestgefälle von zwei bis drei Prozent.
Jedes Gründach braucht eine wurzelfeste Dachabdichtung oder eine zusätzliche Wurzelschutzbahn. Die verhindert, dass die Wurzeln in die Dachhaut eindringen und sie verletzen. Außerdem muss von einem Architekten oder Statiker errechnet werden, wie dick und schwer die Schicht auf dem Dach sein darf. Auch Parameter wie Windsoglast, Wassersättigung und Schneelasten müssen bei der Planung des Gründaches berücksichtigt werden.
Normale Gartenerde ist für die Bepflanzung auf dem Dach nicht geeignet. Es gibt spezielle Pflanzsubstrate, die an regionale Bedingungen und die Dicke der Gründachschicht angepasst sind. „Ein grünes Dach ist viel komplexer als ein Beet im Garten“, sagt Henze. So muss nicht nur die Zusammensetzung des Substrats stimmen. Auch die Bewässerung und das Ab fließen des Wassers müssen genau geplant werden, damit es nicht zu Staunässe kommt. Die Dachbegrünung hat jedenfalls viele Vorteile. Sie schützt das Gebäude vor Hitze und Überflutung, bindet Feinstaub, mindert Lärm und dichtet das Dach gut ab. „Anders als mancher Hauseigentümer annimmt, ist der Pflanzenbewuchs keine Gefahr für das Dach. Im Gegenteil, die Begrünung verlängert die Lebensdauer des Daches und steigert den Wert der Immobilie“, betont Henze.
Erschienen am 14.06.2025 in der Tiroler Tageszeitung
-
9 Bilder, Kartenansicht
-
3 PDF-Dokumente
-
preiswert, sofort online
-
individuelle Laufzeit ab 2 Wochen
-
umfangreiche statistische Auswertung
Alle Preise inkl. MwSt.