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Zirkulär heißt die Devise im Design

Nachhaltigkeit ist schon lange nicht mehr nur ein Lippenbekenntnis, wie man an den diversen „Sustainability Reports“ und Materialinnovationen sehen kann.

Nachhaltigkeit ist schon lange nicht mehr nur ein Lippenbekenntnis, wie man an den diversen „Sustainability Reports“ und Materialinnovationen sehen kann.

 

Innsbruck – An der TU Wien forscht man zu neuen Beton-Recyclingmethoden, um Rohstoffe zu sparen und klimaschädliches CO2 dauerhaft binden zu können; das Problem ist, dass recycelter Beton bisher schlechtere mechanische Eigenschaften aufweist als herkömmlicher Beton mit Natursteinen. Experimente zeigen nun, dass man diesen Nachteil beheben kann, in dem man in der recycelten Gesteinskörnung zusätzlich CO2 einspeichert, das dann zu Kalkstein wird und somit das Material insgesamt verstärkt.

Etwas einfacher agiert das Wiener Unternehmen „Materialnomaden“, das Bauteile aus Abbruchhäusern quasi „erntet“ und in einen neuen Kreislauf einbringt – das ist aber eine eigene, sehr spannende Geschichte.

Trend geht in die Breite

Zirkulär geht es inzwischen aber auch bei wahnsinnig vielen renommierten Design-Kaderschmieden zu, nachdem bereits vor Jahren immer wie der kleinere Einzelinitiativen zeigten, dass sich bereits Vorhandenes für neue Entwürfe verwenden lässt. Da will man sich als großes Unternehmen nicht abhängen lassen.

Normann Copenhagen lieferte jüngst seinen inzwischen dritten Nachhaltigkeits-Report, in dem ein detaillierter Überblick über alle Initiativen gegeben wird, mit denen man den ökologischen Fußabdruck reduziert, respektive versucht zu minimieren.

Bei „Maison & Objet“, Ende Jänner in Paris hat Let’s Pause mit „Couro Coco“ ein neues Lampenmodell vorgestellt, das auf pflanzenbasiertes Upcycling setzt. Dabei wird aus amerikanischen Palmblättern mittels uralter Handwerkstechniken und mit Dampf ein Materialkonvolut entwickelt, das sich als Lampenschirm wunderbar einsetzen lässt. Unregelmäßigkeiten durch die Strukturen des Basismaterials werden nicht als Mangel empfunden, sondern verstärken die Einzigartigkeit jedes einzelnen Entwurfes. Durch die Behandlung erhält das Material einen weichen Braunton (nebenbei bemerkt im Moment ausgesprochen hip) und der durchscheinende Charakter gibt dem Ganzen einen sehr luxuriösen Touch.

 


Innovative Recyclingmethoden und traditionelles Handwerk vereinen sich in der nachhaltigen Nutzung natürlicher Materialien.

Material-Relaunch

Auch Vitra setzt auf weitere Materialumstellungen. So wird etwa der von Edward Barber und Jay Osgerby 2011 entworfene Stuhl „Tip Ton“ nicht nur um neue Farben erweitert, sondern künftig ausschließlich in der umweltfreundlichen RE-Version aus recyceltem Post-Consumer Material hergestellt.

Auch das Aufbewahrungstool „Uten.Silo“, 1969 von Dorothee Becker entworfen, hat einen Material-Relaunch erfahren, nennt sich nun „Uten.Silo.RE“ und wird aus einem ABS-Kunststoff aus Industrieabfällen hergestellt, der seinerseits wieder zu 100 % recycelbar ist.

Aber auch die Kissenkollektion von Vitra, ohne die man sich all die Sofas, Fauteuils und Sessel nicht vorstellen kann, sind überarbeitet worden. Das Füllmaterial wurde auf 100 % recycelte PET-Fasern oder 100 % recyceltes Polyester umgestellt, das jeweils sortenrein trennbar und auch wieder zu 100 % recycelbar ist.

Weiterentwicklung

Bei Arper gibt man sich besonders radikal. Der 2001 vom Design-Studio Lievore Altherr Molina entworfene Stuhl „Catifa 53“, der inzwischen als Klassiker gilt, wurde nachhaltig weiterentwickelt. In Zusammenarbeit mit dem schwedischen Unternehmen PaperShell wurde die doppelt geschwungene Sitzschale aus einem innovativen Material auf Papierbasis entwickelt, das aus Holznebenprodukten hergestellt wird. Somit ist der „Cartifa Carta“, wie er nun heißt, ein schönes Beispiel für zirkuläres Design und kann am Ende seines Lebenszyklus mittels Pyrolyse in Pflanzenkohle umgewandelt und als Dünger der Erde zugeführt werden.

Von Ursula Philadelphy, erschienen am 05.04.2025 in der Tiroler Tageszeitung

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