Wohnen mit dem Touch von gestern
Das Flair gründerzeitlicher Wohnungen ist unvergleichlich. Die Räume sind hoch, die Fluchten weit. Wie eine geglückte Sanierung gelingen kann, führt eine Wohnung in Wilten vor. Billig war das nicht.
Innsbruck – Wie bei so ziemlich allem hat auch beim Wohnen alles seine Zeit. Junge Menschen zieht es in die Stadt, Familien in deren immer mehr ausfransende Speckgürtel, Senioren wieder zurück ins Urbane. Sind die Familienhäuser doch oft zu groß geworden, die Gärten zu arbeitsintensiv, das Autofahren wird besonders nächtens für so manche zur Herausforderung, die Überwindung der Distanzen zur notwendigen Infrastruktur mehr und mehr mühsam. Die Lösung ist eine Wohnung in der Stadt, im Idealfall eine in einem gründerzeitlichen Altbau. Doch diese sind leider absolute Mangelware.
Das Ehepaar, das eine solche in der Innsbrucker Neuhauserstraße ergattert und perfekt saniert hat, wollte ursprünglich irgendwann hiereinziehen. Bis den beiden klar wurde, dass ein Wohnen im dritten Stock ohne Lift für Menschen in fortgeschrittenem Alter nicht wirklich ideal ist. Weshalb die in einem um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert liegende 130-Quadratmeter-Wohnung – davon entfallen zwölf auf die perfekt gedämmte Loggia – noch auf ihre BewohnerInnen wartet.
Wie die Wohnung vor ihrer Transformation ausgeschaut hat, kann man sich jetzt kaum noch vorstellen. Sie war total abgewohnt, die Böden und Türen waren nicht zu retten, die Fenster undicht, Elektrik und Heizung restlos veraltet. Perfekt saniert, wie sie sich nun präsentiert, hat die Vier-Zimmer-Wohnung alles, was man sich von zeitgemäßem Wohnen erwartet – und viel mehr. Ist das Flair gründerzeitlicher Wohnungen doch einzigartig. Einerseits die Raumhöhe von 3,20 Metern oder ihre durch Türen miteinander verbundenen Zimmerfluchten. Die Türen sind zwar neu, allerdings aufwändig ganz in der Manier von 1900 gemacht und weiß gestrichen.
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Neu sind auch die in noblem Fischgrätmuster verlegten – geölten und mit Trittschalldämmung versehenen – Eichenparkettböden. Sie sind schwellen- und bruchlos über das Foyer und die vier Zimmer ausgebreitet, während in der Küche bzw. Loggia Dielen aus massiver Eiche liegen. Neu sind auch die weiß gerahmten dreifachverglasten Fenster, die leider aus Kunststoff sind.
Wie in Altbauwohnungen üblich, ist das Bad klein. Es wurde – genauso wie das WC –moosgrün verfließt, am Boden liegt graues Feinsteinzeug. Das Doppelwaschbecken ist weiß, die Armaturen sind goldfarben, genauso wie die Rahmender runden Spiegel und das extravagante Gestänge der kugeligen Lampen, die auch in der Küche und im Foyer auftauchen. Für eine Wanne war im Bad zu wenig Platz, dafür ist die Duschkabine großzügig dimensioniert. Hier im Bad gibt es auch einen Anschluss für eine Waschmaschine und ist die Therme für die Gasetagenheizung montiert. Die Oberlichte des Bades hat einen schmalen schwarzen Metallrahmen, genauso wie die komplett verglaste – reizvoll japanisch daherkommende – Schiebetür zur modern eingerichteten Küche. Auf dem dunkelgrünen L-förmigen Küchenblock liegt eine schwarze Steinplatte, der Schrank vis-à-vis tut so, als wäre er aus hellem Holz.
Der „Hammer“ der Wohnung ist allerdings ihre unüblich große, Richtung Westen und Süden verglaste Loggia. Die durch ihre perfekte Isolierung winterfestgemacht ist und somit wunderbar sozusagen als Fortsetzung der Küche zum Esszimmer taugt. Mit freiem Blick in das charmant mit Gärten und Stöckelgebäuden bestückte Geviert, das sich aus der gründerzeitlichen Blockrandbebauung ergibt.
Erschienen von Edith Schlocker, am 07.11.2024 in der Tiroler Tageszeitung
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