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Gebautes Zeichnen der Integration

Ganz sicher kein „normales“ Wohnhaus ist das Integrationshaus der Caritas in Innsbruck, sondern ein Ort des gelebten Miteinander. beaufort Architekten haben die hehre Idee gebaute Wirklichkeit werden lassen

Ganz sicher kein „normales“ Wohnhaus ist das Integrationshaus der Caritas in Innsbruck, sondern ein Ortdes gelebten Miteinander. beaufort Architekten haben die hehre Idee gebaute Wirklichkeit werden lassen

 

Innsbruck – Rund 200 Menschen aus circa 15 Nationen –darunter bis 40 Kinder – leben seit exakt einem Jahr in dem von der Caritas betriebenen Integrationshaus in der Innsbrucker Gumppstraße. In 94, zum größten Teil zwischen 45 und 70 Quadratmetern großen Zwei- und Dreizimmerwohnungen. 21 davon werden als so genannte „Übergangswohnungen“ für maximal ein halbes Jahr vergeben. Über zwölf – bei Bedarf betreute – Einheiten hat die Lebenshilfe die Hoheit, über zwei das SOS-Kinderdorf, der Rest sind städtische Wohnungen, bei deren Vermietung die Caritas allerdings mitredet.

Darüber, was das neue Integrationshaus, das das alte baufällige ersetzt, sein kann, wurde im Vorfeld viel und lange diskutiert. Mit dem Ergebnis, dass es ganz sicher kein „normales“ Wohnhaus, aber auch kein Flüchtlingsheim werden soll. Sondern ein Zentrum der Begegnung eines von Toleranz getragenen Miteinander von Menschen unterschiedlicher Kulturen, Religionen und persönlichen Schicksalen, die sich, warum auch immer, in einer akuten Notsituation befinden. Im Idealfall ein Haus mit Modellcharakter, in dem vorgelebt wird, wie eine vielleicht zukunftsträchtige Form des Zusammenlebens funktionieren könnte.

Dieses Konzept findet seinen Ausdruck im Entwurf von beaufort Architekten, mit dem sie 2016 den von der Diözese ausgelobten – geladenen – Wettbewerb gewonnen haben. Einem mit 33.000 Kubikmetern oberirdischer Baumasse riesigen U-förmigen Baukörper, dessen siebengeschoßiger Turm im Südosten als weithin sichtbares Zeichen der Integration den Eingang zur Stadt markiert. Mit der AGW Alpenländische Gemeinnützige Wohnbau GmbH wurde ein Bauträger gefunden, der das Konzept von beaufort Architekten erfreulicherweise mitgetragen hat. Die bei der Umsetzung ihrer grundlegenden Ideen „ziemlich hartnäckig“ waren, so Architekt Jörg Schneider.

Der wesentliche Unterschied des Integrationshauses zu einem üblichen Wohnhaus ist das fast gänzliche Fehlen privater Balkone. Sollten sich die Bewohner doch nicht in ihrer eigenen Blase zurückziehen, sondern die großzügig dimensionierten Gemeinschaftsflächen bzw. -räume nutzen. Die überbreiten Gänge und teilweise über drei Geschoße offenen Zonen der Begegnung, die in das dritte Obergeschoß des westlichen Bauteils integrierte überdachte Terrasse oder die offene Dachterrasse, die zum urban gardening einlädt. Ein wichtiger Ort der Begegnung ist aber auch das neben dem Haupteingang liegende Café genauso wie der multifunktionale Veranstaltungssaal, der sich zum begrünten, nach Osten offenen, tribünenartig zum Untergeschoß abgetreppten Innenhof öffnet. Was die hier eingerichteten Therapieräume, Werkstätten und Ateliers genauso mit natürlichem Licht versorgt wie den interkonfessionellen, von der Tiroler Künstlerin Janine Weger als Gewinnerin eines Kunst-am-Bau-Wettbewerbs in buntes Licht getauchten „Herzraum".

Das Integrationshaus ist ein gedämmter Stahlbeton-Skelettbau, dem hinterlüftete Betonfertigteilfassadenelemente vorgehängt sind. Horizontal strukturiert durch Fensterbänder, bei denen die Zonen zwischen den Fenstern metallig schimmern. Haptisch konterkariert durch die Holzverkleidung der Untersichten der Balkone bzw. des auskragenden Eingangsbereichs.

Die Reduktion auf wenige pure Materialien dominiert auch indoor. In den öffentlichen Bereichen gibt es geschliffene Estriche, die Sichtbetonwände erhielten leider einen Anstrich, Farbe ins Haus bringen die bunten Kunststoffböden der Gänge. Die Grundrisse der Wohnungen sind optimiert, die Böden aus Holz, die Wände weiß, die Bäder bunt. Geheizt wird per Erdwärmepumpe, auf einem der Flachdächer liegen Photovoltaikelemente.

 

Erschienen von Edith Schlocker, am 16.11.2024 in der Tiroler Tageszeitung 

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