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Der Wohnraum ist ein Kunstraum

Wie in ihrer Wohnung in Amras unschwer zu erkennen, setzt die Kunstvermittlerin und vielfache Kuratorin Karin Pernegger bei ihren vielen Bildern, ihren Möbeln und ihrer Garderobe auf Qualität.

Wie in ihrer Wohnung in Amras unschwer zu erkennen, setzt die Kunstvermittlerin und vielfache Kuratorin Karin Pernegger bei ihren vielen Bildern, ihren Möbeln und ihrer Garderobe auf Qualität.

 

Innsbruck – Geboren in Brügge, Kindergarten in Erlangen, Volksschule und Gymnasium in Karlsruhe, Zwischenstopp am Chiemsee (aktueller Familienwohnsitz), Studium in Salzburg (Publizistik, Kommunikationswissenschaften und Kunstgeschichte) und Nantes (Postdiplom bei Prof. Robert Fleck), die erste eigene Wohnung in Wien („direkt am Praterstern“) – dem jetzigen Domizil von Karin Perneggerin Amras gingen viele andere Wohnräume voran. Wobei diesbezüglich auch noch Schruns, Schwaz (dort leitete sie die Stadtgalerie) und, in den Jahren als Kuratorin der Kunsthalle Krems, auch noch die Wachau anzuführen sind.

2013 wurde sie sesshaft, wurde sie zur Innsbruckerin. In der Landeshauptstadt leitete sie ja sechs Jahre lang den Kunstraum Innsbruck und bekam 2017 die Verdienstmedaille des Landes Tirols verliehen. „Mein Zeichenlehrer am Gymnasium hat mich für die Kunst begeistert. Theater- oder Ausstellungsmacherin – das war die Frage, die ich mir dann beim Studium stellte“, erzählt Karin Pernegger. Und liefert auch die Antwort: „Bei einem Praktikum in der Galerie 5020 habe ich erkannt, dass der Weg Richtung Kuratorin geht.“ Nachsatz: „Auch diese Tätigkeit hat ja viel mit Inszenierung zu tun!“ Die Einträge im Netz spiegeln die Vielfalt ihrer Tätigkeit als Kuratorin wider. „Es waren bis jetzt mehr als 80 Ausstellungen“, zieht sie bei meinem Besuch Bilanz.

Womit wir beim Wohnraum sind. Der ist, es war nicht anders zu erwarten, ein „Kunstraum“. „Ich bin leidenschaftliche Sammlerin“, erklärt sie beim Rundgang. Man sieht es. Bild an Bild, prall gefüllte Bücherregale, zwei- und dreidimensionale Kunst, so weit das Auge reicht. Da versteht es sich fast von selbst, dass sich auch das Mobiliar aus Designerstücken zusammensetzt.

 

Wobei Karin Pernegger kein Hehl daraus macht, dass sie viele Accessoires – Kissen, Tassen, Teppiche – in einem schwedischen Möbelhaus erworben hat. Der Antwerpener Modedesigner Walter Van Beirendonck hat nämlich eine limitierte Kollektion namens Glödande entworfen, die unter anderem Textilien, Teppiche, Taschen und Geschirr umfasst. Die limitierten Jonsberg-Vasen von Hella Jongerius sind ein weiterer Blickfang. „Ich bin begeistert von der Idee, dass gutes Design leistbar und allen zugänglich ist. Design ist Lebens- und Gegenwartskultur, die neben der bildenden Kunst für mich einen hohen Identifikationsgrad darstellt“, betont sie beim Rundgang. Der 20 Jahre alte „Montafoner Tisch“ ist mit seinen Intarsien stilvolle Ergänzung. Und dass von der Decke Glühbirnen ohne Verkleidung leuchten, ist gewollt – sie werfen schattenfreies Licht auf die vielen Exponate. Farben – sie haben es ihr nicht nur bei ihren Bildern, Skulpturen und Möbeln angetan, sie trägt sie auch am Körper …

„Sammeln ist schön, aber mit viel Leidensfähigkeit verbunden: Entweder bleibt ein Sammelstück unerreichbar oder man geht übers Limit. Wobei die Werke auch meine fast 30-jährige Tätigkeit als Kuratorin und die vielen Begegnungen mit mir wichtig gewordenen Menschen und Künstlern widerspiegeln.“ Detail am Rande: Auch die Wände in den Nassräumen sind dicht behängt. Bezüglich ihrer Lieblingsstücke verweist sie auf Bilder aus Nepal, insbesondere Werke von Tsherin Sherpa, der 2022 den ersten nepalesischen Pavillon in Venedig gestaltet hat. Wobei es ihr nicht nur die Kunst des Landes angetan hat („Nepal war nicht kolonisiert und besticht durch eine ursprüngliche Kunstszene“), sondern auch das Land. Sie stand sogar auf dem 5357 Meter hohen Gokyo Peak. Es war, über Vermittlung des nepalesischen Botschafters, den sie in Innsbruck traf, schon eine Ausstellung in Katmandu fixiert, doch dann kam Corona …

Wandern („nicht Bergsteigen“) ist seither ihre große Passion. „Gehen ist meditativ – ich kenne am Patscherkofel jeden Stein“, betont sie. Direkt hinterm Haus verläuft ja eine Zufahrtsstraße zur Talstation. Sehen kann sie den „Kofel“ nicht, sehr wohl aber die Nordkette, die beim Blick von der Terrasse den Horizont beschließt. Die Berge sind daher nicht grundlos Thema eines neuen Projektes, mit dem Karin Pernegger ab 2025 Kunst und Tiroler Berge verbinden möchte. Neben dem Schreiben von Texten bearbeitet sie seit 2019 gemeinsam mit den Geschwistern Mosny den Nachlass von Gonn Mosny (1930–2017). Der Willi-Baumeister-Schüler war Gründungsrektor der Hochschule für Gestaltung in Pforzheim. 2014 übersiedelte er nach Telfs, nahm interessiert am Tiroler Ausstellungslebenteil, verschwieg aber seine künstlerische Tätigkeit. Karin Pernegger lernte ihn fünf Monate vor seinem Tod kennen, bereitete eine Ausstellung im Kunstraum Innsbruck vor und erstellt derzeit einen Katalog über den großen, aber fast unbekannten Künstler.

Erschienen von Peter Hörhager, am 12.10.2024 in der Tiroler Tageszeitung

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