Dem Chaos die Stirn bieten
Wäscheberge türmen sich, die geöffnete Post liegt schon seit Tagen unbearbeitet auf dem Kastl im Eingangsbereich, die Wohnung versinkt im Chaos. Wer kennt das nicht? Was dagegen hilft.
München – Die eigenen vier Wände sauber und ordentlich zu halten, fällt im hektischen Alltag nicht immer ganz leicht. Expertinnen geben Tipps, wie Ordnung gelingen könnte.
Welche Ordnung passt zu mir?
Ordnung zu schaffen, ist ein höchst individueller Prozess. „Wir haben alle unterschiedliche Erfahrungen im Leben gemacht, die sich auch auf das Thema Aufräumen beziehen lassen“, erklärt die Diplom-Psychologin und Ordnungscoachin Daniela Pawelczak. Ordnungscoachin und Fachbuchautorin Gunda Borgeest sieht das so: „Es gibt nicht die eine Ordnung, die wir zu erfüllen haben. Ordnung kann man nicht verordnen.“ Grundsätzlich sei zwischen dem Ausmisten und dem täglichen Aufräumen zu unterscheiden, sagt Borgeest. Um eine Grundordnung in die eigenen vier Wände zu bringen, sollte man sich Zeit nehmen. „Das Ausmisten ist ein Tiefenreinigungsprozess, der über Monate gehen kann.“
Ausmisten nach Kategorien
Und Ordnung zu schaffen, das heißt fast immer eines: zu reduzieren. Ob Hosen, Jausenboxen oder Schuhe – die meisten Menschen haben von vielem zu viel im Schrank.
Mit dem Ausmisten beginnt man am besten in kleinen Etappen. Starten Sie außerdem mit Kategorien, die Ihnen leicht fallen. Das können zum Beispiel Kleidungsstücke sein.
Überhaupt sei es sinnvoll, grundlegende Ordnung durch das Sortieren von einzelnen Kategorien zu schaffen, rät Gunda Borgeest, und nicht nach Schrank. Man sortiert also in Etappen alle Schuhe, alle Taschen, alle Handtücher und so weiter. „So erkennt man erst, wie viele Dinge man von einer Kategorie besitzt. Dieser mögliche Schock kann beim Loslassen helfen.“

In gewissen Ecken sammelt sich immer Wäsche an, auch das ganze Spielzeug gehört nicht hierher. Aufräumen ist angesagt.
Mikroroutinen etablieren
„Nehmen Sie sich pro Etappe zwei bis drei Stunden Zeit und tragen Sie diese Slots als verbindliche, kontinuierliche Termine in Ihren Kalender ein“, rät Borgeest. Und: „Vergessen Sie nicht, das Aussortierte sofort wegzubringen! Nur so stellt sich ein Befreiungsgefühl ein, das Sie dann zur nächsten Etappe trägt!“ Zudem sollte man darauf achten, sich nicht zu viel zuzumuten und Zeit für das Aufräumen nach dem Ausmisten einzuplanen, empfiehlt Daniela Pawelczak. Außerdem wichtig: sich selbst für die Arbeit loben.
Ist der Hausstand dann erstmal reduziert und hat allesseinen Platz, gilt es tägliche Putzroutinen einzuführen. „Dabei würde ich immer damit anfangen, wo der Schuh am meisten drückt und der Effekt am größten ist“, sagt Pawelczak.
Für Motivation sorgen
Und es sollte Zeitnot beim Aufräumen keine Rolle spielen. „Wenn ich sage, ich habe keine Zeit, meine ich eigentlich, es ist mir nicht wichtig genug.“ Um die Motivation nicht zu verlieren, hilft es Pawelczak zufolge, Vorher-nachher-Fotos zu machen. Und einen möglichen Perfektionismus abzulegen. Negativ-Sätze wie „Das klappt doch eh nicht“ oder „Ich muss immer allen hinterherräumen“ gelte es bewusst gegenüberzutreten und sich stattdessen klarzumachen ,warum es wichtig ist, die Aufgabe zu erledigen. Nicht aufzuräumen, sei schließlich auch keine Lösung. Zumindest nicht auf Dauer. Beim Ordnung-Halten gehe es darum, Entscheidungen zu treffen, sagt Pawelczak. Und das mache unser Hirn nicht so gern, denn das ist anstrengend.
Erschienen am 25.05.2024 in der Tiroler Tageszeitung
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