Mit ein wenig Psychologie auf Wohnungssuche
Wie findet man heraus, was einem im neuen Zuhause wirklich wichtig ist? Psychologin Melanie Fritze gibt Wohnungssuchenden Tipps.
Hamburg – Damit wir uns in ihr wohlfühlen, muss eine Wohnung unseren Bedürfnissen gerecht werden. Wohnpsychologin Melanie Fritze zufolge sind das vor allem Sicherheit, Privatheit, Gemeinschaft, Erholung, Ästhetik und Selbstentfaltung. Außerdem spielt die positive Selbstdarstellung eine Rolle. „Das bedeutet einfach, dass das Zuhause auch meinen Status oder meine Werte widerspiegelt, das, was mir wichtig ist“, so die Diplom-Psychologin.
Wir alle haben diese Bedürfnisse, sagt Fritze. „Aber in welcher Stärke sie ausgeprägt sind, das ist sehr individuell.“ Oft ließen wir uns ausschließlich von Wohntrends leiten. „Aber was wir gerne vergessen, ist zu fragen: Passt die Wohnung auch zu mir und meinen Bedürfnissen? “
Fritze nennt ein Beispiel: die derzeit beliebten bodentiefen Fenster. „Vielleicht komme ich in eine Wohnung und mir gefällt, wie schön hell es durch die großen Fenster dort ist“, sagt sie. „Aber wenn mein Bedürfnis nach Privatheit groß ist und das eine Erdgeschoßwohnung ist, an der vielleicht auch noch Leute vorbeigehen, dann werde ich mich dort auf lange Sicht gar nicht wohlfühlen.“ Fragen solle man sich daher im Vorfeld: „Wie wichtig ist es mir, zu Hause unbeobachtet oder für mich zu sein?“ Sei das Bedürfnis groß, könnte man darauf achten, dass die neue Wohnung Nischen hat. „Also dass nicht überall Fenster sind, sondern man auch geschützte Ecken hat für das Sofa oder auf dem Balkon beziehungsweise der Terrasse.“
Ist es einem wichtig, das eigene Umfeld individuell gestalten zu können, sollte man sich bei Besichtigungen hingegen fragen: „Kann ich hier noch einiges nach meinen Wünschen umgestalten? Bietet die Wohnung Veränderungsmöglichkeiten für mich?“, schildert Fritze. Mit einer schönen, aber möblierten Wohnung werde man in dem Fall wohl nicht besonders glücklich.

Bei Wohnungsbesichtigungen ist es wichtig, sich nicht von Wohntrends leiten zu lassen, sondern von seinen eigenen Bedürfnissen.
Wie unsere Wohnbedürfnisse aussehen, das hängt auch von unserer aktuellen Lebenssituation ab. Die sollte man in den Blick nehmen – und überlegen, was in einer Wohnung den Alltag leichter machen, was ihn erschweren könnte. Denn oft seien es zunächst eher unwichtig erscheinende Eigenheiten einer Wohnung, die einen später enorm stören, sagt Fritze.
Ein Beispiel der Wohnpsychologin: ein langer Flur zwischen Küche und Esszimmer. „Vielleicht sieht man die Wohnung und sagt: Na ja, das wäre schon schön, wenn das näher zusammenliegen würde. Aber das geht auch so.“ Bei Singles sei das dann vielleicht tatsächlich der Fall. „Aber mit einer Familie würde diese Kleinigkeit über die Zeit sehr viel Aufwand bedeuten. Denn man muss immer das Geschirr hin- und wieder zurückbringen“, so Fritze.
Auf die Größe der Wohnung, die Quadratmeteranzahl, sollte man sich Fritze zufolge nicht versteifen. Wichtiger sei der Schnitt. Denn: „Sie können quadratmetermäßig zwei gleiche Wohnungen haben. Durch einen anderen Schnitt kann die eine Wohnung aber viel größer oder die andere viel kleiner wirken.“
Nicht unterschätzen sollte man den Stauraum. Vielleicht braucht man davon besonders viel, um die Utensilien fürs eigene Hobby unterzubringen. Oder man hat Nachwuchs. „Eine Wohnung, die ganz viele Qualitäten hat, aber keinen Stauraum bietet, wird langfristig im Alltag unangenehm werden, weil man nichts wegpacken kann“, meint Fritze.
Erschienen am 18.05.2024 in der Tiroler Tageszeitung
-
9 Bilder, Kartenansicht
-
3 PDF-Dokumente
-
preiswert, sofort online
-
individuelle Laufzeit ab 2 Wochen
-
umfangreiche statistische Auswertung
Alle Preise inkl. MwSt.